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Dr. Renate Schwarz - Erzählung - Story

„The journey begins with respect.“

Mit viel Achtung, Forschungsinteresse und großer Neugierde habe ich die Reise nach Jhamtse Gatsal Children’s Community angetreten. Was ich über die Kinder in Jhamtse Gatsal, ihr soziales Miteinander, ihre glückliche Ausstrahlung und ihre Begeisterung gelesen und online gesehen hatte, wollte ich am eigenen Leib erfahren.  Ich wollte wissen, welche Philosophie, welche buddhistischen Aspekte von Genla Lobsang gelehrt und gelebt wurden und welche Rolle sie für das gelingende und heilsame Zusammenleben spielen. Wie würde sich das anfühlen, was würde in mir resonieren, was könnte ich für unser Zusammenleben hier im Westen mitnehmen, was für meine Lehre an der Hochschule? Diese Fragen beschäftigten mich vor und während der Reise.

Ich hatte die kostbare Möglichkeit, gemeinsam mit zwei Mitreisenden an einem Retreat teilzunehmen und 10 Tage in Jhamtse Gatsal zu leben. Schon die Begrüßung nach einer mehr als zweitägigen Reise hat uns überwältigt. Alle Kinder und Erwachsene waren auf dem großen Platz versammelt, ein Maskentanz wurde für uns aufgeführt, von Genla Lobsang wurden uns Khatags umgelegt und alle Kinder begrüßten uns mit strahlenden Augen und einer Verbeugung. Wir fühlten uns mehr als willkommen. Diese Herzlichkeit der Kinder, der Mitarbeitenden und Gela Lobsangs begleitete uns während des gesamten Aufenthaltes.

Besonders erinnere ich mich an einen Sonntagnachmittag, den ich mit den Kindern einer Wohngruppe verbringen durfte. Die Kinder waren sich und ihrem Spiel selbst überlassen und luden mich ein, mit ihnen zu spielen. „Hide and seek“ war eines der Spiele, das wir auf engem Raum mit viel Freude und Wachheit spielten, von den Kleinsten bis zu den Jugendlichen. Ein Spiel folgte dem anderen, ohne vorhandene Spielsachen, aber mit viel Fantasie. Ich war begeistert, mit wieviel Kreativität und entspanntem Miteinander die Kinder und Jugendlichen ihre freie Zeit gestalteten. Mit derselben Freude, Begeisterung und Hingabe erlebte ich die Kinder beim gemeinsamen Chanten von buddhistischen Texten am Abend. Schon die Kleinsten kannten die Texte auswendig und chanteten, mal mit großer Hingabe, mal etwas verträumt. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Kinder beim Zusammensitzen und Singen, sammeln, entspannen und konzentrieren konnten. Hingerissen waren wir von den lokalen Tänzen, die die Kleinen nach dem Chanten begeistert miteinander und für uns tanzten.

Mich beeindruckte, mit welch tiefer Freude die Kinder und Jugendlichen bei all ihrem Tun erfüllt waren, ob sie spielten, am Samstag ihre Wäsche wuschen oder das Gelände reinigten, in der Küche arbeiteten oder sich um uns Gäste kümmerten.

An mehreren Vormittagen hatten wir die Möglichkeit, in den Schulklassen zu hospitieren. Auch hier war die Atmosphäre geprägt von Leichtigkeit, Heiterkeit und entspannter Konzentration. Die Lehrenden selbst verkörperten für mich das SEE-Learning-Modell, nach dem sie unterrichteten, das Mitgefühl für sich selbst und für andere, zwischenmenschliches Gewahrsein und gemeinschaftsbezogenes und globales Engagement umfasst.

Das „Retreat“ bot uns die wunderbare Möglichkeit, Belehrungen von Genla Lobsang zu erhalten. An sechs Vormittagen konnten wir seinem Teaching gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Community folgen. Die Vorstellung der „Eight steps what Jhamtse Gatsal is, how to live it“, ließ uns erahnen, nach welchen Leitgedanken die Jhamtse-Philosophie den Samen legt für dieses liebevolle, achtsame und mitfühlende Miteinander.

Ich bin unendlich dankbar für dieses Retreat in Jhamtse Gatsal. Nun weiß ich, dass es möglich ist, mit sich und den Mitmenschen so umzugehen, dass alle tief glücklich sein können.

Zum Abschied, der nicht leichtfiel, waren die Kinder um 6 Uhr morgen bei uns, schenkten uns selbst gestaltete und beschriebene Kärtchen, umarmten uns, wünschten uns eine gute Reise, bedankten sich für unsere Zeit, die wir mit ihnen verbracht hatten und wünschten, dass wir wieder kommen mögen. Letzteres nur zu gerne!

Dr. Renate Schwarz

“The journey begins with respect.”

 

It was with a lot of respect, interest for research and great curiosity that I started my journey to the Jhamtse Gatsal Children's Community. I wanted to see for myself all that I had read and seen on-line about the children at Jhamtse Gatsal; their social interactions, their happy charm, and their enthusiasm.  I wanted to know which philosophy, which aspects of Buddhism were taught and lived by Genla Lobsang and what role they play in this successful and healing coexistence. How would that feel? What would resonate in me? What could I take back with me for our coexistence here in the West? What could I include from this in my teaching at the university? These questions were on my mind before and during the trip.

 

I had the precious opportunity to take part in a retreat together with two fellow travellers and live at Jhamtse Gatsal for 10 days. Even the welcome after over two days travel from Delhi overwhelmed us. All the children and adults were gathered in the big square; a masked dance was performed for us; Genla Lobsang put the ceremonial white Khata scarves around our necks and all the children greeted us with shining eyes and a bow. We felt more than welcome. The warmth of the children, the staff and Lobsang accompanied us throughout our stay.

 

I remember a Sunday afternoon which I was allowed to spend with the children from one of the Family Houses. The children were left to their own devices and invited me to play with them. "Hide and seek" was one of the games that we played in a confined space with a lot of joy and alertness, from the youngest to the teenagers. One game followed another, without any toys, but with so much imagination. I was thrilled to see how much creativity and relaxed togetherness the children and young adults expressed in the way they spent their free time. With the same joy, enthusiasm, and devotion, I experienced the children chanting Buddhist texts together in the evening. Even the youngest children knew the lyrics by heart and chanted; sometimes with great devotion; sometimes a little dreamily. I had the impression that the children were able to gather, relax and concentrate while sitting together and singing. We were enraptured by the traditional local dances, which the little ones performed enthusiastically with each other and for us, after the chanting.

 

I was impressed by the deep joy which filled the children and young adults in everything they did, whether they were playing, washing their clothes on Saturday, or cleaning the grounds, working in the kitchen, or taking care of us guests.

 

On several mornings we had the opportunity to sit in on the school classes. Here, too, the atmosphere was characterized by lightness, cheerfulness, and relaxed concentration. For me, the teachers themselves embodied the SEE learning model in their teaching, which includes compassion for themselves and for others; interpersonal awareness; and community and global engagement.

 

The "retreat" offered us a wonderful opportunity to receive teachings from Genla Lobsang. On six mornings, we were able to benefit from his teaching, together with the staff of the community. The presentation of the "Eightfold path to mindfulness and how to live it" gave us an idea of the guiding principles of the Jhamtse philosophy that lay the seeds for this loving, mindful and compassionate cooperation.

 

I am eternally grateful for this retreat at Jhamtse Gatsal. Now I know that it is possible to be with oneself and one's fellow human beings in such a way that everyone can be deeply happy.

 

For our farewell, which was not easy, the children joined us at 6 o'clock in the morning, gave us their home made and handwritten cards, hugged us, wished us a good trip, thanked us for the time we had spent with them and asked us to come back. The latter would be only too welcome!

 

Dr. Renate Schwarz, Germany

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